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Wo sind die Strohmänner?

Die neue „Strohmannregel“ stößt fast überall auf Ablehnung und die Diskussionen halten an. So bezeichnet der Mühringer Mark Schüle die Regel als ungerecht und unsportlich: „Wenn sich größere Vereine durch Tricksereien Vorteile verschaffen können, ist das Betrug.“ Und mit Blick auf die beiden gravierenden Fälle im Schwarzwald und im Nachbarbezirk Böblingen werden harte Vorwürfe an die Adresse der TTVWH-Verantwortlichen erhoben: „Die Regel sollte dem Spielen in zwei Mannschaften einen Riegel vorschieben. Das Gegenteil ist der Fall. Das ist gewollt.“
Wer sich in den Spielklassen des Bezirks Schwarzwald auf die Suche nach Strohmännern macht, findet über 60 markierte Spieler. Wer indessen genauer hinsieht, wird feststellen, dass der Großteil markierter Spieler von den untersten Mannschaften und deren Ersatzspielern herrührt. Von der Bezirksklasse bis zu den B-Klassen wurden gerademal 17 Stammspieler markiert, 12 davon in den untersten Mannschaften, die daraus gewiss keinen Vorteil ziehen. Interessanter ist die Frage nach Spielern, die fast ständig in zwei Mannschaften spielten? Da bleibt nur einer: Altburgs Michael Baumgärtner hat für „Strohmann“ Georg Eckardt neun Partien in der „Ersten“, Titelaspirant der Kreisliga, und sieben als Spitzenspieler in der abstiegsgefährdeten „Zweiten“ bestritten.
Was zeigt nun der Blick in die 15 Spielklassen, die unter Verbandsregie stehen? Von den Stammspielern wurden 31 markiert, davon acht bei fünf Halbzeitmeistern und zwei bei abstiegsgefährdeten Teams. Die meisten stellten gleich einen siebten Mann auf oder lösten das Problem mit Jugendersatzspielern und wechselnden Ersatzgestellungen aus der unteren Mannschaft. Doch es gab auch hier Vielspieler, so Kirchheims Axel Schorradt mit sieben Einsätzen in der „Ersten“, Tabellenzweiter der Verbandsklasse Nord, und acht in der „Zweiten“, abstiegsgefährdet in der Landesliga, oder beim abstiegsgefährdeten Bezirksligisten SV Allmersbach Jan Ocker mit je sechs Einsätzen in zwei Mannschaften. Das krasseste Beispiel lieferte aber der SV Böblingen, wo Jens Obst beim Verbandsklassentabellenführer für „Strohmann“ Volker Ziegler alle neun Spiele mitmachte und in der „Zweiten“, Titelanwärter in der Bezirksliga, ebenfalls neunmal mitwirkte.
Ist nun die Aufregung um Lücken und Tricksereien im Umgang mit der Strohmannregel berechtigt? Gewiss: Die Zahl der Spieler in zwei Mannschaften nimmt sich verhältnismäßig bescheiden aus. Aber: Vereine, die den Erfolg erzwingen wollen, suchen und finden Schlupflöcher zur Umgehung der einengenden Regel. Und gerade darin liegt die Ungerechtigkeit dieser laschen Regel, wenn Vereine Vorteile aus einer lückenhaften Regel ziehen können. Außerdem: Was soll das Markieren von Spielern und Ersatzspielern der untersten Spielklassen? Markiert gehören die Vielspieler, indem sie nach dem Festspielen in einer oberen Mannschaft ihre Spielberechtigung unten verlieren! Zunächst darf man aber auf den vierten Rückrundenspieltag gespannt sein, denn wenn bis dahin markierte Spieler nicht auflaufen, geht das Aufrücken los.
 

 



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