Goldene Hochzeit von Erika und Rudi Brose

 

Zur Goldenen Hochzeit von Erika und Rudi Brose

16. Mai 2011 von Oskar Wössner

Über Tischtennis die neue Heimat und das Glück gefunden 

Daran, dass Erika und Rudi Brose im Dezember in Baiersbronn-Mitteltal ihre Goldene Hochzeit feiern durften, ist Tischtennis ursächlich beteiligt, denn schließlich haben sich beide bei der Ausübung dieses Sports kennengelernt. Doch es verging noch einige Zeit, bis sich aus der Sportfreundschaft die Liebe des Lebens entwickelte und und sie sich im August 1960 das Ja-Wort gaben.

Während Erika eine bodenständige Schwarzwälderin war, hatte Rudi bis dahin schon ein aufregendes Leben hinter sich: 1929 in Swinemünde geboren,  Jugend im Dritten Reich, mit viel Glück einen schweren Bombenangriff überlebt, als 15-jähriger kurz vor Kriegsende von der Waffen-SS in Berlin noch an der Panzerfaust ausgebildet und schließlich zu Fuß in die 260 km entfernte Heimatstadt geflüchtet. Dort fand er seine Eltern, als sie gerade mit einem Leiterwagen zu einem Schiff unterwegs waren, das sie vor den Russen retten sollte. Die Flucht über Kopenhagen, Kiel und Niebüll führte die Broses nach Stedesand, wo sie fünf Jahre bei einem Bauern lebten.

Am 1. Juni 1950 erfolgte die Umsiedlung nach Freudenstadt.  Als Flüchtling hatte es Rudi Brose anfangs nicht leicht, stand er als „Reigschmeckter“ in Mitteltal doch unter „besonderer Beobachtung“. Er musste immer alles perfekt oder sogar besser machen. Als er Erika Blaich schon sieben Jahre kannte und die Heirat ins Auge gefasst wurde, bat ihn sein Schwiegervater, in seine Maschinenbau-Firma einzutreten. Das bedeutete für Rudi Brose, dass er umschulen, den Beruf des Mechanikers erlernen und den Meister machen musste. Mittlerweile ist er zu einem echten Schwarzwälder geworden, der überall in hohem Ansehen steht.

Der Sport half ihm, in Mitteltal-Obertal eine neue Heimat zu finden. Als 1950 die Tischtennisabteilung gegründet wurde, war Rudi Brose nicht nur von Anfang an als Spieler (bis 2000) dabei, sondern übernahm auch gleich Aufgaben als Trainer und Betreuer, war von 1957 bis 1988 Abteilungsleiter, zudem 20 Jahre lang Vorsitzender und danach Ehrenvorsitzender im Bezirk Schwarzwald. Längst hat er auch alle Ehrennadeln des Verbands bekommen. Aber nicht nur im Tischtennis leistete Rudi Brose Außergewöhnliches. Auch als Fußballspieler/-trainer , in der Leichtathletik (schon 1942 wurde er bei den Reichssportkämpfen in Breslau mit 86 m Dritter beim Schlagballweitwurf) und im Tennis war er sehr erfolgreich. Schon immer lag ihm die Jugend besonders am Herzen. So war er auch über viele Jahre Elternbeiratsvorsitzender an der Volksschule Mitteltal, am Progymnasium Baiersbronn und am Wirtschaftsgymnasium Freudenstadt.

Über all die Jahre begleitete Erika das außerordentliche gesellschaftliche Engagement ihres Mannes. Mit ihren sportlichen Erfolgen trug sie den Namen Brose weit über das Murgtal hinaus. Noch heute sagt sie über ihren Mann: „Rudi war mein bester Trainer.“ Während ihrer 45 Jahre als aktive Tischtennisspielerin war sie 15 mal Bezirksmeisterin im Einzel und neunmal im Doppel, dazu neunmal Kreismeisterin im Einzel und Doppel, gewann achtmal den Bezirkspokal und sechsmal landesoffene Turniere. Man kann die Siegerlisten des Bezirks studieren wie man will: Eine erfolgreichere Spielerin als Erika Brose lässt sich nicht finden. 1963 und 1964 spielte sie für den SSV Reutlingen und war maßgeblich am zweimaligen Gewinn der Württembergischen und Süddeutschen Mannschaftsmeisterschaft beteiligt. 1976 bis 1983 stieg sie mit ihren Mitteltaler Damen von der Kreisklasse bis in die Oberliga auf und spielte zusammen mit Andrea Kantenwein, Heide Rothfuß und Heike Dölker noch zwei Jahre in der höchsten Klasse Baden-Württembergs.

„Ich habe in meinem Leben immer Glück gehabt, auf der Flucht , als ich mehrmals knapp dem Tode entkam, mit der langen und guten Ehe mit meiner Frau Erika und dass ich bei einer lebensbedrohlichen Erkrankung vor zehn Jahren die richtigen Ärzte traf“, sagt Rudi Brose mit Blick auf die vergangenen 80 Jahre. Sport ist zwar nicht das Leben, für Erika und Rudi Brose aber zu einem guten Teil. Beide können heute nicht nur stolz auf sportliche Erfolge zurückblicken, sondern auch mit ihrer Familie wohl zufrieden und glücklich sein. Ihre zwei Kinder wohnen im Kreis Freudenstadt, Sohn Markus führt die Firma weiter, die Enkelinnen sind wohlgeraten. In einem Gottesdienst in der Christuskirche zu Mitteltal dankten die Jubilare für fünf Jahrzehnte Liebe, Glück und Gesundheit und dürfen sich dabei aller guten Wünsche der Tischtennisfreunde des Bezirks Schwarzwald gewiss sein.

Nach oben