Geschäftsstelle Tischtennisbezirk Schwarzwald, Meisenweg 4, 75387 Neubulach

 
Neue Strohmannregel ist eine Farce
Zu viele Schlupflöcher – schlecht praktizierbar
von Oskar Wössner am 14. Januar 2011


Strohmänner sind Spieler, die in einer Aufstellung stehen, aber nie zum Einsatz kommen. Vereine, die das praktizieren, haben den Vorteil, dass bei geschickter Termingestaltung Spieler permanent in zwei Mannschaften mitwirken können. Nun will man diesem Unwesen mit einer neuen Regelung zu Leibe rücken, indem Spieler, die in der Vorrunde nicht mindestens dreimal spielten, markiert werden. Wenn diese nun nicht spätestens am vierten Rückrundenspieltag auflaufen, muss der beste Spieler aus der unteren Mannschaft unter Verlust seiner Spielberechtigung für diese sofort aufrücken. Das hat dann Folgen für alle weiteren Mannschaften. Die Klassenspielleiter sind nun angewiesen, dies zu überwachen und gegebenenfalls sofort zu handeln. Ist das einem nicht möglich oder versäumt er das aus irgendwelchen Gründen, können sich Vereine bei Zuwiderhandlung aber darauf nicht berufen. Vereine mit markierten Spielern stehen also in der Pflicht, denn Nichtwissen schützt vor Strafe nicht. Hört sich ja gut an, aber mehr auch nicht! Ein Blick auf konkrete Fälle macht das deutlich.

Fall 1: Beim Tabellenführer der Verbandsklasse, SV Böblingen, hat der als Nummer sechs aufgestellte Volker Ziegler in der Vorrunde kein Spiel bestritten. Dafür wirkte der Spitzenspieler der „Zweiten“, Bezirksmeister Jens Obst, in allen Partien mit. Mit einer Ausnahme war er aber auch in seiner Mannschaft immer dabei, die in der Bezirksliga um den Titel mitspielt. Genau gegen diese Spielerei in zwei Mannschaften wollte der Tischtennisverband vorgehen. Jens Obst rückte nun für die Rückrunde in die „Erste“ auf. Dafür ging die bisherige Nummer fünf, Christopher Stellwag, in der „Zweite“ als neuer Spitzenspieler und wird damit wohl die bisherige Rolle von Obst übernehmen. Nun wird der Strohmann Ziegler zwar markiert, aber schon laufen die ersten Wetten, dass der spätestens am vierten Rückrundenspieltag auf dem Spielbogen erscheint. Dann könnte das Spiel, nun eben mit Stellwag, fast bis zum Ende der Runde weiter praktiziert werden.

Fall 2: Kreisliga-Halbzeitmeister TT Altburg hatte als Nummer sechs Georg Eckardt gemeldet, der ständig durch den Spitzenspieler der „Zweiten“, Michael Baumgärtner, ersetzt wurde. Der wiederum wird in seiner Mannschaft im Kampf gegen den Abstieg gebraucht. Nun meldeten die Altburger mit Andreas Wehner aus Mönsheim einen Zugang für die „Erste“, von dem sie offenbar nicht wissen, ob und wie oft er spielen wird. Und schon wird gemutmaßt, dass hier der Strohmann Eckardt durch einen neuen Strohmann ersetzt werden soll. Diesen Schachzug der Altburger machte der Ressortleiter Mannschaftssport, Wolfgang Schuld (Klosterreichenbach), nicht mit, da Wehner zuletzt vor fünf Jahren in einer Aufstellung gestanden hatte – als Ersatzspieler einer C-Klassenmannschaft ohne Ergebnisse.

Nicht neu ist, dass besonders ambitionierte Vereine auf ihren Vorteil bedacht sind und bei der Suche nach Schlupflöchern zur Umgehung einengender Regeln sehr findig sind. Das kann man ihnen nicht vorwerfen, denn schließlich verhalten sie sich nicht illegal. Dennoch hat das Ganze ein Gschmäckle, zumal bei tricksenden Vereinen vornehmlich auch hohe Funktionäre tätig sind. Deshalb sollten Regeln so einfach und klar gefasst werden, dass sie zum einen leicht praktizierbar sind und zum anderen auch greifen. So jedenfalls teilen viele die Meinung von Bezirksgeschäftsführer Hermann Hauser (Neubulach), der diese Strohmann-Regel als Farce bezeichnet.



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